Die 4%-Regel ist das meistzitierte Prinzip des FIRE. Sie stammt aus US-Daten — Schweizer Anleger müssen Vermögenssteuer, CHF-Inflation und die Brückenphase einkalkulieren.
«Nehmen Sie jährlich 4 % Ihres Ausgangsportfolios heraus und passen Sie den Betrag für die Inflation an — das Kapital reicht mindestens 30 Jahre.» Diese Schlussfolgerung aus der Trinity Study (1998) ist das meistzitierte Prinzip des FIRE. Doch die Studie basiert auf US-Aktien und US-Anleihen, gemessen in US-Dollar. Für Schweizer Anleger gibt es wichtige Anpassungen.
Was die 4%-Regel besagt
William Bengen analysierte 1994 historische US-Marktrenditen und stellte fest: Wer jedes Jahr maximal 4 % seines Startportfolios entnimmt (inflationsangepasst), hat in praktisch keinem historischen 30-Jahres-Zeitraum den Geldhahn zudrehen müssen. Die Trinity Study bestätigte dies mit einem Aktien/Anleihen-Mix von 50/50 bis 75/25.
Die Studie definierte «Erfolg» als: Portfolio überlebt 30 Jahre. Sie sagt nichts darüber aus, was nach 30 Jahren übrig ist — und nichts über 40- oder 50-jährige Phasen, wie sie bei einer Frühpension mit 40 entstehen können.
Warum US-Daten nicht direkt übertragbar sind
Die USA hatten historisch aussergewöhnlich hohe Aktienmarktrenditen im globalen Vergleich. Eine global diversifizierte Anlage — wie sie für Schweizer Anleger sinnvoll ist — zeigt langfristig etwas tiefere Renditen. Gleichzeitig ist die Schweizer Inflation historisch niedriger (1,5–2 % vs. 3–4 % in den USA), was die reale Rendite teilweise kompensiert.
Was die Schweiz besonders macht
- Vermögenssteuer: Je nach Kanton 0,1–0,7 % des Nettovermögens pro Jahr — ein direkter Abzug von der Entnahmekapazität.
- Krankenkassenprämien: CHF 3'600–7'200 pro Jahr ohne Arbeitgeberbeitrag, inflationsexponiert.
- AHV-Beiträge für Nichterwerbstätige: bis CHF 26'500/Jahr, abhängig vom Vermögen.
- Brückenphase: Die ersten Jahre ohne AHV/PK/3a erfordern höhere Entnahmen — die Entnahmerate ist nicht gleichmässig über die Zeit.
Die «Swiss FIRE Rate»: 3,0–3,5 %
Viele Schweizer FIRE-Planer arbeiten mit einer konservativeren Entnahmerate von 3,0–3,5 %. Das berücksichtigt Vermögenssteuer, die höheren Fixkosten in der Brückenphase und Pensionierungen, die 40–50 Jahre dauern können. Die 3,5%-Rate überlebt historisch auch 40-jährige Perioden bei global diversifizierten Portfolios nahezu immer.
Sequence-of-Returns-Risiko
Die grösste Gefahr für ein FIRE-Portfolio ist nicht die Durchschnittsrendite — es ist ein starker Crash in den ersten Jahren der Pensionierung. Wenn das Portfolio sinkt, während gleichzeitig Entnahmen stattfinden, entsteht ein Ratchet-Effekt: Man verkauft günstig und profitiert kaum von der Erholung. Monte-Carlo-Simulationen modellieren dieses Risiko explizit.
Faustregel: Je länger die geplante Pensionierung (bei Frühpension oft 40+ Jahre), desto konservativer sollte die Entnahmerate liegen — und desto wichtiger ist eine Cashreserve für Crash-Jahre.
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Bildungstool, keine Finanz- oder Steuerberatung. Figuren sind 2026-Schätzungen ohne Gewähr.
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